Verein zur Beratung und Begleitung
älterer und verwirrter Menschen
und ihrer Angehörigen e.V.

Aktivitäten

4. März 2010
Büchertischliste zum Weltalzheimertag am 21.09.09
Der Büchertisch ist eine kleine Auswahl zu der großen Zahl veröffentlichter Bücher zu dem Thema Demenz. Kriterien für unsere sehr persönliche Auswahl sind Lesbarkeit und einfühlsame Darstellung des Problems – von Demenzkranken selbst, von pflegenden Angehörigen sowie von Fachleuten.


Ein Mann und eine Frau beschreiben ihre Situation als Demenzkranke:

Richard Taylor
„Alzheimer und Ich - Leben mit Dr. Alzheimer im Kopf“
Der amerikanische Autor beschreibt sehr kritisch seine Auseinandersetzung mit den Ärzten über die Genauigkeit der Diagnosestellung, seine Befindlichkeit mit den Medikamentenprogrammen und das Gefühl des „Versuchskaninchens“. Seine Analyse und Forderung nach mehr Einfühlsamkeit in der Beziehung zwischen Kranken und Professionellen ist detailgenau und nachvollziehbar beschrieben.

Diana Friel Mc Gowin
„Leben wie in einem Labyrinth“
Die ebenfalls aus USA stammende Autorin – das Buch erschien 1993 in USA und 1994 in deutscher Übersetzung – erzählt von ihren inneren Konflikten und denen ihrer Familienangehörigen mit der Demenzerkrankung. Nachvollziehbar sind die Ängste und Enttäuschungen beschrieben, aber bewundernswert ist der Mut, mit dem sie sich Orte der Lebensfreude und Solidarität mit anderen Demenzkranken sucht.


Ein Sohn und eine Ehefrau beschreiben die Begleitung ihres demenzkranken Angehörigen:

Stefan Beyer
„Demenz ist anders“
Der deutsche Autor beschreibt in liebevoller Weise, wie er als Sohn mit seiner demenzkranken Mutter kommuniziert und wie er ihr Selbst vor dem Hintergrund ihrer Lebensgeschichte durch kontinuierliche Anteilnahme zu erhalten versucht.

Katrin Hummel
„Gute Nacht, Liebster“
Die Autorin schreibt über eine Ehefrau, die ihren demenzkranken Mann bis zum Tod zu Hause versorgt. Das Buch beginnt mit der gemeinsamen Biografie als Grundlage für den Entschluss der Ehefrau, ihren Mann zu Hause pflegen zu wollen, um ihm zuverlässig und liebevoll beistehen zu können. Schwierige Situationen für sie und die Familie, ihre Zweifel und Verlassenheit werden anschaulich beschrieben, aber auch ihre Pflege-Erfolge aufgrund ihrer Findigkeit und genauen Kenntnis des emotionalen Zustandes ihres Ehemannes ermutigen sie. Durch seine kleinen Reaktionen der Dankbarkeit erfährt sie Trost und fühlt sich bestärkt.


Fachbücher als Wegbegleiter (Ratgeber) für Demenz:

Es gibt sehr viel Ratgeberliteratur zu dem Thema mit dem Sprachduktus „Tun Sie dies und vermeiden Sie jenes“, was sich für Angehörige nicht immer auf ihre eigene Situation übertragen läßt. Der größte Teil bezieht sich auf die Gestaltung und Anpassung von Versorgungsstrukturen für Demenzkranke in Heimen. Da die Beratungsstelle VIVA in ihrer Arbeit schwerpunktmäßig auf die häusliche Versorgung setzt, haben wir diese zwei folgenden Bücher ausgewählt, weil sie auf personzentrierte Ansätze bei der Versorgung von Demenzkranken zurückgreifen – obwohl auch hier oft Versorgungs- und Kommunikationsbeispiele aus dem Heimalltag beschrieben werden .

Huub Buijssen
„Demenz und Alzheimer verstehen“
Leicht verständlich und kurz zusammengefaßt werden von dem holländischen Autor die Krankheitsentwicklung und die Gefühle der Demenzkranken ebenso wie die der pflegenden Angehörigen beschrieben. Interessant ist, daß er Schriftsteller und Dichter zu Wort kommen läßt, die das Phänomen Demenz auf lierarische Weise darstellen.

Carol Bowlby Sifton
„Das Demenz-Buch – ein Wegbegleiter für Angehörige“
Ausführlich werden von der Autorin aus Kanada, die selbst in der ambulanten Pflege als Altenpflegerin und Aktivierungstherapeutein tätig war, alle Aspekte der Pflege von Demenzkranken beschrieben. Es ist ein dickes, aber lesenswertes Buch, weil sie den Focus auf die Erhaltung der Lebensfreude in der Pflegebeziehung zwischen Demenzkranken und Pflegenden legt –ein Nachschlagewerk, um sich Rat zu holen.


Wissenschaftliche Publikationen, die den personzentrierten Ansatz und neue Denkansätze für die Entstehung der Demenzerkrankungen untersuchen:

Tom Kitwood
„Demenz – der personzentrierte Ansatz im Umgang mit verwirrten Menschen“
Das Buch des englischen Gerontologen hinterfragt radikal die vorherrschenden Forschungsansätze zur Entstehung von Demenz sowie die Standards des Umgangs mit dementen Menschen. Er fordert, daß aufgrund der noch immer unklaren Diagnostik und Medikamententherapie und solange der medizinische Durchbruch nicht kommt, zuerst die Verbesserung der Pflegebeziehung zu Personen mit Demenz als vorrangige gesellschaftliche Aufgabe zu betrachten ist. Zur Untermauerung dieser Forderung zitiert er viele Studien, die sich mit Ressourcen, Fähigkeiten und Förderungsmöglichkeiten von Demenzkranken beschäftigen und zur Stabilisierung ihrer psychosozialen Situation beitragen. Der personzentrierte Ansatz wird als Möglichkeit vorgestellt, in der Pflegebeziehung Menschenwürde beiderseits zu gewinnen.

Erwin Böhm
„Verwirrt nicht die Verwirrten“
„Ist heute Montag oder Dezember?“
Beide Bücher wurden 1999 veröffentlicht und sind Klassiker. Verständlich und humorvoll wird die konfliktreiche Pflegebeziehung zwischen verwirrten alten Menschen, besorgten Angehörigen und Pflegeinstitionen beschrieben. Fachwissen, Empathie und Konfliktklärung der Pflegenden – seien es nun Angehörige oder Professionelle – sind für eine menschenwürdige Altenpflege unabdingbar.

Gerald Hüther
„Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn“
Joachim Bauer
„Prinzip Menschlichkeit“
„Das Gedächtnis des Körpers“
Diese drei Bücher beschreiben aus unterschiedlichen Perspektiven die Komplexität der Gehirntätigkeit und seines Zusammenspiels mit der körperlichen und der sozialen Erfahrung einer Person. Sie machen deutlich, daß bezüglich der pathologischen und/oder psychologischen Ursachen an den degenerativen Prozessen des Gehirns noch viele Fragen offen sind, d.h. viele Fragestellungen noch unerforscht sind.
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